Aus der Geschichte des
Kupferbergwerks Virneberg und seiner Knappschaft
als Ursprung des St. Josephsbürgervereins

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Im Jahr 1800 wurde ein neuer Schacht mit dem Namen „Vertrauen zum Landesvater" gebaut und die Wasserkunst repariert. Nach über 50 Jahren wurde auch der sogenannte „Obere Feldort" wieder in Betrieb genommen. Durch den „Oberen Stollen", dessen Eingang sich neben dem heutigen Bergwerkskreuz befand, fuhren die Bergleute in diesen Teil der Grube ein.

1801 starb Kurfüst Max-Franz, und der österreichische Erzherzog Anton Viktor wurde zum neuen Kurfürsten gewählt. Wie die Knappschaft die Wahl feierte, beschrieb Bleibtreu:
„Bei Rheinbreitbach versammelte sich die zahlreiche Bergknappschaft in finsterer Nacht auf einem Haldenzug des uralten Virnebergs und zog mit brennenden Grubenlichtern, in feierlichem bergmännischem Aufzuge mit Musik, mit bergmännischem Gesang den Berg herab in den Ort, um mit den Einwohnern gemeinsam zu feiern".

Nach 200 Jahren als kurfürstliches Bergwerk fällt die Rheinbreitbacher Gegend 1803, bei der Säkularisation, an das Herzogtum Nassau. Im gleichen Jahr besuchte Fürst Friedrich August die Rheinbreitbacher Bergwerke. Ihm zu Ehren wurden Böllerschüße abgegeben und auf der Anhöhe des Virnebergs, vor dem Ausgehenden des Erzganges, ein Festzelt aufgestellt. Die gesamte Knappschaft war in der Tagebauschlucht versammelt und führte dem beeindruckten Fürsten die unterschiedlichen, bergmännischen Arbeiten vor.

Betrachtet man heute die Schlucht in ihrer historischen Bedeutung, als Ursprung des hiesigen Kupferbergbaus, wäre eine Inschutzstellung als eingetragenes Bodendenkmal sicherlich angebracht.

1805 besteht die Knappschaft immer noch aus 100 Köpfen. Zum Erzscheiden, Pochen und Karreschieben wurden auch Kinder und junge Burschen eingesetzt.

Inschrift im WasserstollenUm bei trockener Witterung mehr Wasser für die Anlagen am Virneberg zu bekommen, wurde ein ca. 550 m langer Wasserstollen vom Taleinschnitt „Duverott" zu einer Weiheranlage im Detzelbachtal am „Auge Gottes" getrieben. Eine Inschrift im Stollen mit den Zeichen „Eisen und Schlägel", mehreren Initialen (PIW, PIB, PH) und der Jahreszahl 1810 weist auf die Fertigstellung hin.

Die Einnahmen aus dem Rheinbreitbacher Bergwerk gingen jedoch zurück. Die Wasserkunst ging zu Bruch, die Gewerken investierten kein Geld mehr in die Grube, und in der Folge kam der Betrieb zum Erliegen.

Die Aktivitäten der Bleibtreu’s verlagerten sich Richtung Oberkassel, wo sie am Ennert und bei Hoholz Braunkohle abbauten und daraus Alaun gewannen. Ein Sohn Leopolds, Hermann Bleibtreu, gründete später die Bonner Zementfabrik.

Im Jahr 1820 erwarben die Gebrüder Rhodius neben St. Marienberg und Carlsglück auch den St. Josephsberg. Nun kam wieder neues Leben in den Betrieb. In den ersten 12 Jahren wurden Versuchsarbeiten am „Ausgehenden des Ganges" gemacht und die alten Halden aufgearbeitet. Die weniger reichhaltigen Erze wurden zur Sterner-Hütte nach Linz transportiert, wo sich durch ein neues Verfahren mittels Säuren aus dem Haldenmaterial noch sogenanntes Zementkupfer gewinnen ließ.

Die Gebr. Rhodius gaben 1830 den Bergbaubetrieb am Marienberg auf und konzentrierten sich auf den Virneberg. 1832 wurde der eingestürzte alte St. Josephsberger-Grundstollen wieder freigelegt und neu verzimmert. Es wurde eine Wasserrösche (Rinne) hergestellt, über der eine 522 Lachter (1044 m) lange eiserne Schienenfahrt (Grubenbahn) eingerichtet wurde. 1840 begann man mit dem Abteufen des „Regenten-Schachtes".

Da die Erzschicht schräg verlief, wurde der Schacht im sogenannten „Hangenden" angesetzt und sollte dann in ca. 150 m Tiefe auf den Erzgang treffen. Es ist heute noch der sogenannte Schachtumlauf vorhanden. Ein begehbares Vierteltonnengewölbe aus Bruchstein, das den senkrecht nach unten gehenden Schacht im oberen Bereich nach drei Seiten abstützte.

Vierteltonnengewölbe im Schachtumlauf des Regenten-Schachts1843 erreichte man eine Tiefe von 112 m und trieb einen Querschlag zur Lagerstätte. Neben dem Schacht befand sich im Maschinenhaus eine doppelt wirkende, 12 PS starke Hochdruckdampfmaschine. Über ein Zahnrad und ein Vorgelege wurden in der Tiefe zwei Druckpumpen abwechselnd angehoben. Es reichte aus, die Pumpe achtmal am Tag für jeweils eine ¾ Stunde in Betrieb zu halten, um das Wasser zum Grundstollen zu heben.

Mit der Dampfmaschine wurde parallel auch der Förderkorb angetrieben. 1840 förderte die Knappschaft mit 51 Mann 8524 Tonnen Erz aus dem Virneberg. Das uns allen bekannte St. Josephsberger-Bergwerkkreuz weist in seiner verschlüsselten Inschrift auf das Jahr 1840 und die Gewerkschaft der Gebrüder Rhodius hin.

Die politischen Wirren um die deutsche Revolution 1848 erschwerten den Bergbau. Nachdem man wieder auf die Aufbereitung des alten Haldenmaterials zurückgreifen mußte, wurde der Bergbau 1852 eingestellt. 1853 wurden das Bergwerk und die Kupfer- und Vitriolhütten in Linz an die neu sich bildende „Anonyme Gesellschaft für Rheinischen Bergwerks- und Kupferhüttenbetrieb" verkauft. Diese nahm den Betrieb mit Macht in Angriff. Der Regenten-Schacht wurde um weitere 20 m vertieft und der neue Alexander-Schacht ebenfalls auf die gleiche Tiefe niedergebracht.

Durch den Einsatz der Dampfmaschinen auf den Schächten wurde der Grundstollen nicht mehr als Förderstollen benötigt und auch die Erzaufbereitung aus dem Breitbachtal an den Virneberg verlegt. Im Jahr 1854 erreicht diese Gesellschaft, mit 53.506 Zentner, die höchste jährliche Kupferproduktion am Virneberg. 1855 bestand die Knappschaft aus 260 Männern, Frauen und Kindern. Die Förderung von Erzgestein lag 1861 bei 42.047 Tonnen.

Im Jahr 1815 wurde unser Gebiet an Preußen abgetreten. Hierdurch wurden nun auch die Bergwerke in preußischer Art und Weise vom Bergamt Siegen verwaltet. Das soziale Knappschaftswesen wurde jetzt grundlegend gesetzlich geregelt. Am 3. Januar 1858 wurde der Knappschafts-Verein für die Bergreviere Hamm (Siegerland) und Unkel gegründet. Der Rheinbreitbacher Obersteiger Josef Mühlenbein war Vertreter der Knappschafts-Ältesten im Vorstand dieser Vereinigung. Den Vorsitz hatte Gustav Bleibtreu, ein weiterer Sohn Leopold Bleibtreus, von der Oberkasseler Alaunhütte.

Der Virneberg wurde dann 1862 von der englischen Gesellschaft „St. Josephsberg Copper & Lead Mining Company (Limited)." übernommen. Man begann die Arbeiten auf dem Regentenschacht. Es wurde eine neue Fördermaschine und eine „60 Zoll Cornish-Pumpe" eingesetzt. Laut mündlicher Überlieferung von Wilhelm Unkels, wurde mit einem Hub ein Ohm Wasser gefördert (1 Ohm = 160 Liter) und oberhalb des Schachtes hätte sich das „Balancier" befunden. Vermutlich ein Hebelarm mit Gegengewichten für das lange Pumpengestänge. Am Alexanderschacht war eine weitere Dampfmaschine installiert, die auch die Steinbrecher, Zerkleinerer und Waschwerke antrieb.

Ansicht der Grube St. Josephsberg aus Südosten ca.1877 (Rheinisches Bildarchiv, Köln)

Ansicht der Grube St. Josephsberg aus Südosten ca.1877 (Rheinisches Bildarchiv, Köln)

1864 setzte sich die Knappschaft aus 86 Personen wie folgt zusammen:
1 Obersteiger, 1 Grubensteiger, 45 Hauer, 4 Maschinisten, 2 Pumpenwärter, 9 Förderleute, 2 Schmiede, 2 Zimmerleute, 1 Fahrknecht und 19 Personen in der Erzaufbereitung.

Wegen technischer Unzulänglichkeiten der verwendeten 16 PS Horizontal-Dampfmaschine mußte der Tiefbau 1867 aufgegeben werden, es konnten nur noch 20 Mann beschäftigt werden. Um 1870 wurde wieder ein neuer Schacht angelegt und nach dem Vorsitzenden der englischen Gesellschaft, Sir Alderman Hadley, als „Hadley-Schacht" benannt.

Am 24.10.1872 wurde von einem Wasserdurchbruch in diesem Schacht berichtet. Die Arbeiten konzentrierten sich nun auf diese Anlage, die schon weit westlich, im südöstlichen Bereich der Breiten Heide lag.

Die älteren Schächte, „Alexander-Schacht und Regenten-Schacht", wurden abgeworfen. 1876 bildet sich eine neue englische Gesellschaft, die „Virneberg Mining Company". Die Aufbereitungsanlagen und neue Maschinen wurden nun direkt am Hadley-Schacht errichtet.

Gebäude des Hadley-Schachts auf der Breiten Heide (Rheinisches Bildarchiv, Köln)

Gebäude des Hadley-Schachts auf der Breiten Heide (Rheinisches Bildarchiv, Köln)

Angeblich sind die schweren Maschinen, mit den Ochsen und Pferden der Rheinbreitbacher Bauern, auf Kufen hinauf zum Virneberg gezogen worden. In den Schutzhütten standen sogenannte Klaubtische, an denen von Hand das taube Gestein vom Erz getrennt wurde. Im Winter war man froh, von dem Kondensator der Dampfmaschine warmes Wasser zum Erzscheiden verwenden zu können. Die Kupfererze wurden nun zur Verhüttung bis nach Swansea in Südengland verschifft. Die Belegschaft stieg wieder auf 164 Personen an. Bis 1878 hat der Hadley-Schacht eine Tiefe von 160 m erreicht. Er war mit Holz verzimmert, mit Fahrten (Leitern) und einer Förderanlage ausgerüstet. Bis 1882 erreicht dieser Schacht mit 220 m seine tiefste Sohle.

Die tiefste Stelle, der Pumpensumpf, lag bei 250 Metern, ca. 110 m unter dem Rheinniveau. Es ergaben sich nun vielerlei Probleme. Kalte Winter verursachten immer wieder Schäden an den Maschinen, das übertage gelagerte und festgefrorene Kupfererz konnte nicht weiter verarbeitet werden. Der Tiefbau ließ die Betriebskosten steigen, da das Grubenwasser über 150 m in die Höhe gepumpt werden mußte und die Erze in dieser Tiefe weniger Kupfer enthielten. Als auch die Kupferpreise fielen, stellte Grubendirektor Roskilley 1882 den Betrieb der Gesellschaft ein.Froschlampe des Bergmannes Lambert Steinmann

Roskilley übernahm die Grube. Mit Hilfe des alten Obersteigers Josef Mühlenbein wurde noch einige Zeit mit einer kleinen Belegschaft Erz gefördert. Im Jahr 1886 erfolgte dann die endgültige Stillegung des Virnebergs, da Roskilley auf Grund seines Alters Sehnsucht nach seiner Familie in Schottland hatte.

Die Anlagen wurden nach und nach abgebaut. 1896 wurde das letzte Schachtgerüst demontiert. Rheinbreitbacher Bürger trugen die Grubengebäude ab und errichteten sich aus dem Material Wohnhäuser im Dorf. Auch die Ziegelsteine der Schornsteine wurden zum Häuserbau wiederverwendet.

Nach mündlichen Angaben sind dies die Häuser: Im Irsbich 4 und kl. Mühlenweg 10 (Fachwerk), Schulstraße 1 (Ziegelstein).

Obwohl der Bergbau über Jahrhunderte in Rheinbreitbach betrieben wurde, war der Beruf des einfachen Bergmannes bei uns im Ort nicht hoch angesehen. Die Leute die Weinberge oder Landwirtschaft betreiben konnten waren finanziell besser gestellt. Die ärmeren Bürger, oft auch mit kinderreichen Familien, waren auf den Bergbauberuf als Lebensunterhalt angewiesen. Der geringe Lohn reichte für den Lebensunterhalt meistens nicht aus, so daß man nach der Schicht, nebenbei noch Landwirtschaft betreiben mußte. Den schlechten beruflichen Stand der Bergleute erkennt man auch daran, daß in unserem Ort direkt keine Hinweise mehr auf den Bergbau zu finden sind. Weder bergmännische Kunstgegenstände in der Pfarrkirche, noch Inschriften an Wohnhäusern, oder ähnliches sind zu finden.

In der Not war der Zusammenhalt und der Gemeinschaftsgeist dafür um so stärker. So begründet sich der Männergesangverein Concordia aus Bergleuten, die sich 1848 zum gemeinsamen Gesang zusammenfanden. Auch der St. Josephs-Bürgerverein formierte sich am 26. August 1907 aus ehemaligen Bergleuten der Virneberger Knappschaft.

Bereits vor über 150 Jahren wurde von unseren Vorfahren gerne gefeiert. So war der 19. März, der Josephstag, noch ein richtiger Feiertag, an dem das alljährliche Knappschafts- und Hauerfest begangen wurde. Sämtliche Bergleute erschienen zum feierlichen Hochamt, am Nachmittag wurde sich mit Vogelschießen und anderen Vergnügungen unterhalten.

Abends um acht begann ein Ball, der bis 24 Uhr andauerte. Um Mitternacht begann dann das eigentliche Hauerfest, bei dem der sogenannte „Dr. Eisenbart" zur Musik allerhand bergmännischen Klamauk aufführte. Bei dieser Gelegenheit wurden die Förderer zu Lehrhauern und die Lehrhauer zu Hauern befördert, was auch eine Lohnerhöhung mit sich brachte. Dieser Teil des Festes dauerte eine Stunde, und anschließend wurde der Ball weiter fortgesetzt. Für die Kosten wurde den Bergleuten eine Schicht abgehalten. Ob am nächsten Morgen pünktlich um 3 Uhr mit der nächsten Schicht begonnen wurde ist nicht überliefert.

Auch der  Bürgerverein feierte früher noch den Josephstag. Im dritten Reich wurde jedoch der 1. Mai als Feiertag der Arbeiter eingeführt. Um einen zusätzlichen Urlaubstag am 19. März zu sparen, wurde das Patronatsfest auf den 1. Mai gelegt, zumal der heilige Joseph ja auch Schutzpatron der Arbeiter ist.

Quellen:
Koblenzer Staatsarchiv, Akten Grube Virneberg, 1752–1755
C.W. Nose, Orographische Briefe über das Siebengebirge, Frankfurt 1789
Ferdinand Wurzer, Taschenbuch zur Bereisung des Siebengebirges, Köln 1805
Gebr. Rhodius, Darstellung der Gruben- und des Hüttenwerks, Linz 1850
Rheinischer Antiquarius, 1860
Carl Heusler, Beschreibung des Bergreviers Brühl-Unkel, Bonn 1897
Dr. Max Muß, Leopold Bleibtreu, Biographie, Essen 1920
Brungs/Faber, Geschichte Rheinbreitbachs, 1929/1952
Josef Hoffmann, Der ewige Bergmann, II. Band, 1958
Dorothea Voigtländer, 200 Jahre St.Josef Bürgerverein Rheinbreitbach, 1974
H. J. Fuchs, S. Kalbhenn, M. Muhr, Rheinbreitbach, Mit Schlägel und Eisen, Haltern 1986
Norbert Langenbach, Heimat-Jahrbuch Kreis Altenkirchen 1999
Verschiedene Unterlagen, Sammlung H.J. Fuchs und J. Fuchs

Jürgen Fuchs, Rheinbreitbach, 1999


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