Das Virneberger Kreuz
Jahrhundertelang, bis zur Stillegung der Grube im Jahre 1886, wurden am Virneberg Kupfererze abgebaut. Die vom christlichen Glauben geprägten Bergleute waren sich der ständig ausgesetzten Lebensgefahr bewußt. Am Stolleneingang versammelten sie sich allmorgendlich und verrichteten vor der Einfahrt in die Grube ihr tägliches Gebet.
An dieser Stelle ließen die Bergwerksbesitzer, die St. Josephsberger Gewerkschaft, damals bestehend aus den Brüdern Rhodius, 1840 ein Holzkreuz, das Virneberger Kreuz errichten. Der Spruch auf dem Querbalken des Kreuzes seitlich des Corpus ist vielleicht das tägliche Gebet der einfahrenden Bergleute gewesen.
Christe du hast Dein Leben
am Kreuz für uns gegeben.
Segne uns all und bewahre uns
vor Seelen und Leibes Gefahr
Unter dem Corpus, auf dem senkrechten Balken, steht der Name Die St. Josephsberger Gewerkschaft", darunter das Bergmannszeichen Schlegel und Eisen mit dem Bergmannsgruß Glück auf".
Das Jahr der Errichtung des Kreuzes, 1840, ist nicht direkt zu erkennen. Zwei Chronogramme auf dem unteren Teil des senkrechten Kreuzbalkens weisen eindeutig auf die Jahreszahl hin. Ein Chronogramm ist auf ein bestimmtes Jahr bezogener lateinischer Satz. Durch Addieren seiner Buchstaben, die zugleich römische Zahlenzeichen sind, ergibt sich das betreffende Jahr (I = 1, V = 5, X = 10, L = 50, C = 100, L = 500, M = 1000). Das Chronogramm ist meist ein Vers; man nennt es dann Chronostichon. Das obere Chronostichon:
FELIXITER TIBI IN SIGNO
HOC VINCES GRAVAMINA
DURA LABORIS XVII APRIL
Dies soll ein Segenswunsch sein für den Bergmann, der in die Grube einfährt: Glücklicher Weg dir Wanderer. In diesem Zeichen mögest du überwinden die harten Beschwerden der Arbeit."
Die Addition der römischen Zahlen ergibt:
10 mal I 10
4 mal V 20
1 mal X 10
2 mal L 100
2 mal C 200
1 mal D 500
1 mal L 1000
1840
Das untere Chronostichon (wie es sich heute darstellt):
CRVX ISTA
CRVCIFIXO PIO
DOMINO DATA
RI ODIVS
Dieses Kreuz dem frommen gekreuzigten Herrn geweiht"
Die Addition der römischen Zahlen weist heute auf das Jahr 1841
hin.
6 mal I 6
3 mal V 15
2 mal X 20
3 mal C 300
3 mal D 1500
1841
Das richtige Errichtungsjahr ist trotz der hier errechneten
Jahreszahl 1840. Die letzte Zeile des unteren Chronostichons ist bei einer früheren Restaurierung
wahrscheinlich nicht exakt wiedergegeben worden. Mit großer Sicherheit handelt es sich um
den Namen der Ersteller des Kreuzes:
RHODIUS; d. h. der zweite Buchstabe war demnach ursprünglich ein H und kein I. Da H (im
Gegensatz zu I = 1) keine römische Zahl ist, weist das originale Chronostichon ebenfalls
auf das Jahr 1840 hin.
Die Angabe der Jahreszahl 1874 am Fuße des Kreuzes weist auf eine Restaurierung des Kreuzes in diesem Jahr hin.
1986 hat der St. Joseph Bürgerverein das völlig verwitterte und morsch gewordene Kreuz vollkommen erneuert. Unter Veranwortung von Franz Bornheim und tatkräftiger Mithilfe von Hans Mechnig, Johannes Becker, Peter Brungs, Josef Rott, Wilfried Prangenberg, Wolfgang Morsbach, Heinz Middecke und Ferdinand Henseler wurde ein solides neues Fundament geschaffen. Aus Eichenholz fertigten Johann Menden und Hermann Lex das neue Bergwerkskreuz, an dem nach alten Vorbildern Willi Profitlich die Schnitzarbeiten vornahm und Willi Munkenbäck das geschwungene Kupferdach fertigte. Der alte Corpus wurde unter Mithilfe eines Restaurators von Franz-Josef Federhen und Franz Germscheid wiederhergestellt. Am 25. Oktober 1986 wurde das neue Kreuz von Pfarrer Bruno Wegener und Diakon Winfried Reers feierlich eingeweiht.
Damit hat das Virneberger Kreuz heute wieder das Aussehen, das ihm aufgrund seiner Bedeutung für die Geschichte von Rheinbreitbach zukommt. Der St. Josephs Bürgerverein knüpfte mit der Kreuzrestaurierung an Wurzeln und Tradition des Vereins an. Der Verein erwuchs nämlich aus der ehemaligen St. Josephsberger Knappschaft, in der die Rheinbreitbacher Bergleute bereits seit 1774, heute vor 225 Jahren, zusammengeschlossen waren.
Bergwerkskreuz Das Holzkreuz an der Westwaldstraße, dort, wo der Weg zur Ziegelei abzweigt, erinnert ähnlich wie das Virneberger Kreuz an eine Betstelle der Bergleute. Hier verweilten die Bergleute auf dem Wege von Rheinbreitbach zur Arbeit in den Erzgruben. An dem Kreuz verrichteten sie ihr tägliches Gebet, bevor sich ihr gemeinsamer Weg trennte; die einen arbeiteten auf der Grube Virneberg, die anderen zogen in Richtung Bruchhausen zur Grube St. Marienberg.
Ein erstes Kreuz wurde hier wahrscheinlich um die Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet. Im Laufe der Zeit wurde es morsch und verfiel. Dank der Initiative von Alfred Heß entstand an gleicher Stelle Anfang der 80er Jahre ein neues Kreuz mit der alten Inschrift, die zum Gebet auffordert:
Lieber Wanderer laß dir Zeit
Sprich ein Gebet für die Ewigkeit
Das neue Kreuz besteht aus zwei ausgemusterten Bahnschwellen, die mit Hilfe von Willi Profitlich gesägt, gehobelt und zusammengepaßt wurden. Franz Germscheid strich es mit schwarzer Farbe an und schrieb mit weißer Farbe die Inschrift. Die Aufstellung des über vier Zentner schweren Kreuzes in einem Betonsockel erfolgte unter tatkräftiger Mithilfe von Hans Spürkel, Dieter Ramershoven und Günter Kinder. Pfarrer Josef Hilpert nahm die feierliche Einsegnung im August 1983 vor.
Das
Clouthe-Kreuz
Ein weiteres Erinnerungsmal an den historischen Rheinbreitbacher Bergbau ist das Clouthe-Kreuz auf der Breiten Heide. Wie der Name schon sagt, erinnert das Kreuz an die Familie Clouth, die Ende des 17. Jahrhunderts nach Rheinbreitbach kam, im 18. und 19. Jahrhundert eine der angesehensten Familien in unserem Ort war und der Rheinbreitbach das Wiederaufleben des Kupferbergwerks zu Beginn des 18. Jahrhunderts zu verdanken hat.
Anton Clouth, Brückenmeister in Köln, erhielt am 21. Juli 1694 die Belehnung mit dem Kupferbergwerk. Im gleichen Jahr wurde auch der Grundstollen in Angriff genommen.
Im Jahre 1890 errichteten Mitglieder der Familie Clouth zum Gedenken an ihre Vorfahren ein Kreuz aus rötlichem Sandstein auf einem mächtigen Quarzbrocken. Eine Mahnung auf der Vorderseite des Kreuzes forderte die Vorbeigehenden, ähnlich wie das oben beschriebene Holzkreuz an der Westerwaldstraße, zum Gebet auf.
Wanderer, wer Du auch sein magst,
Bete für die Verstorbenen
Denke an Dein Letztes,
damit Du nicht sündigst.
Auf der Rückseite trug das Kreuz die Widmung
Dieses Kreuz wurde errichtet zur Ehre Gottes und zum
Andenken an die Vorfahren der Familie Clouth welche vor 200 Jahren den Grundstollen
anlegten und den Virneberg in Betrieb nahmen von den letzten des Stammes, die hier geboren
sind.
Karl Wilhelm und Mina Clouth MDCCCXC
Neben dem Bergbau betrieben die Clouths einen Gasthof, den heutigen
Rheinbreitbacher Hof, damals ein beliebter Treffpunkt für Dichter und Künstler. Karl
Simrock, die Brüder Grimm und der Dichter Freiligrath zählten zu den regelmäßigen
Gästen. Heute existiert die Familie Clouth in Rheinbreitbach nicht mehr. Nachkommen der
Familie leben im Rheinland, z. B. in Remscheid, in Schwaben und Württemberg.
Im Zweiten Weltkrieg wurde das Kreuz, dessen ursprünglicher Standort auf der Breiten Heide gegenüber der Einmündung der Drachenfelsstraße in die Breite-Heide-Straße war, vollständig zerstört. Auf Initiative des St. Josephs Bürgervereins entstand 1981 das neue Clouth-Kreuz, nicht weit von seinem ersten Standort. Es steht heute an der Ecke Breite-Heide-Straße / Rheinblickstraße, etwas in den Wald hinein versetzt.
Der Bürgerverein beteiligte sich an der Neugestaltung nicht nur mit viel Freizeiteinsatz seiner Mitglieder, Franz Bornheim opferte fast seinen gesamten Jahresurlaub. Der Verein übernahm auch einen erheblichen Teil der Kosten, z. B. für die Bronzetafel auf der Vorderseite des Kreuzes mit dem Gedenken an die Familie Clouth:
Kreuz zum Andenken an die Vorfahren der Familie
Clouth die vor 200 Jahren den Virneberg neu in Betrieb setzten.
Neuerrichtet vom St. Joseph-Bürgerverein
Während die Entstehungsgeschichte der ersten drei hier beschriebenen Kreuze in konkretem Zusammenhang mit dem Rheinbreitbacher Bergbau stehen, hat das Blutkreuz einen indirekten Bezug.
Anlaß seiner Errichtung im 19. Jahrhundert war
vermutlich ein Kindesmord, ein trauriges Ereignis im Leben von Menschen, die hier im
Bergbau tätig waren. Genaues ist nicht überliefert. Der Volksmund berichtet: In der
Nähe der Grube Marienberg wohnte ein Fahrsteiger namens Hieronymus Bermel. Er war
verheiratet und hatte eine Tochter von etwa acht Jahren. Eines Sonntags, als sich die
Eltern nach dem Besuch der Frühmesse in Rheinbreitbach wieder auf den Heimweg machten,
fanden sie dort, wo der Weg zum Virneberg abzweigt (an der Ziegelei), ihr Töchterchen tot
mit durchgeschnittener Kehle. Der Vater ließ ein Fläschchen mit dem Blut seines Kindes
füllen und ein kleines Steinkreuz errichten, in dessen Nische er das Fläschchen stellte;
daher der Name Blutkreuz.
Von diesem Andesitkreuz, in der Größe eines Grabkreuzes, war seit Jahren nur noch der untere Teil vorhanden. Der 1994 verstorbene Rheinbreitbacher Bürgermeister Profitlich hat es kurz vor seinem Tod ganz entfernen lassen, mit der Absicht, es zu erneuern, wozu es dann nicht mehr gekommen ist. Vor zwei Jahren hat Jürgen Fuchs den Kreuztorso in einem Steinmetzbetrieb entdeckt. Bürgerverein und Heimatverein haben sich die Wiederaufstellung des Blutkreuzes gemeinsam zur Aufgabe gesetzt. Dankenswerterweise hat die Jagdgenossenschaft Rheinbreitbach das Geld für die Restaurierung bereitgestellt.